Kreuzfahrt-Katastrophe mit 32 Toten


Das aufgerichtete Wrack des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“. (Bild: Stf/ANSA/epa/dpa)

Das aufgerichtete Wrack des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“. (Bild: Stf/ANSA/epa/dpa)


Eine der größten Katastrophen der Kreuzfahrt-Geschichte: Vor zehn Jahren sank die Costa Concordia, 32 Menschen starben. Als Schuldiger wurde Kapitän Schettino verurteilt und inhaftiert.

Die erste ist diese Explosion. Die Costa Concordia vibrierte, Passagiere hielten sich an Möbeln fest, Geschirr fiel zu Boden, das Licht ging aus.

Mehr als 4.220 Menschen an Bord hatten keine Ahnung von der Katastrophe, die sie in den nächsten Stunden erleben würden. Auf der Navigationsbrücke konnten Kapitän Francesco Shetino und seine Offiziere nicht glauben, dass sie auf einen Felsen prallten und ihr Schiff seitlich zerschnitten.

Es war ein fataler Fehler, der am 13. Januar 2012 32 Menschen das Leben gekostet hätte, darunter 12 Deutsche. Am Donnerstag jährten sich das Unglück und der teilweise Untergang der Costa Concordia vor der italienischen Mittelmeerinsel Giglio zum zehnten Mal.

Gedenken

An Jubiläen gedenkt die Insel dem Unglück. Vor der Marienstatue, die zum Gedenken an die Opfer im Hafen errichtet wurde, wurde ein Kranz niedergelegt, daneben eine Tafel mit den Namen der 32 Toten. Um 21.45 Uhr werden im Hafen Sirenen ertönen – wie jedes Jahr am 13. Januar. Diesmal ereignete sich vor zehn Jahren einer der größten Kreuzfahrtunfälle der Geschichte.

Betroffen sind voraussichtlich nur wenige Personen oder Angehörige, auch wegen Corona. Vielen sei der Gedanke zu Giglio zu frustrierend gewesen, sagt Hans Reinhardt. Der Anwalt, der 30 Passagiere an der Costa Concorde betreute, verhandelte Schadensersatz und trat als Nebenkläger in einem Strafverfahren gegen Kapitän Schettino auf. Er sagte der Deutschen Nachrichtenagentur, das Verfahren sei abgeschlossen.

Die meisten Passagiere haben eine Entschädigung von 14.000 Euro pro Person akzeptiert. Costa Cruises sagte im Jahr 2015, Concorde-Gästen und -Crew insgesamt mehr als 80 Millionen Euro Schadenersatz gezahlt zu haben.

Hübsches Fotomotiv

Vergessen ist der Freitag, der 13. Januar 2012, deswegen aber noch lange nicht. „Manche sagen, es käme ihnen vor, als sei das gestern gewesen“, erzählt Reinhardt.

Die Costa Concordia war am Abend von Civitavecchia nahe Rom aus in See gestochen. Aus Prestigegründen - oder Angeberei - wollte Schettino sie so nah wie möglich an Giglio bringen, um den Hafen zu „grüßen“ und den Gästen ein hübsches Fotomotiv zu bieten. Was sonst oft klappte, ging schief: Das fast 300 Meter lange Schiff schrammte unter Wasser einen Felsvorsprung, der schlitzte den Rumpf rund 70 Meter auf.

Wasser strömte ein, das Schiff war schnell manövrierunfähig. Nur weil der Wind die Concordia gegen die Insel trieb, kam das Schiff dort auf einem Unterwassersockel mit starker Schräglage zum Liegen. Hätte der Wind anders geweht, wäre die Concordia aufs offene Meer getrieben und wohl komplett gesunken - mit noch viel schlimmeren Opferzahlen.

Die Passagiere und die Küstenwache wurden eine Dreiviertelstunde lang im Unklaren gelassen. Als Crewmitglieder schon mit Schwimmwesten durch die Gänge liefen, sollten die Reisenden in den Kabinen bleiben und Ruhe bewahren. Erst gegen 22.30 Uhr rief man die Passagiere für die Evakuierung an Deck und meldete den Behörden den Notstand.

Das Schiff neigte sich immer mehr, die Lage wurde chaotischer. Manche Passagiere konnten in die Rettungsboote steigen und in den Hafen von Giglio fahren. Andere sprangen ins Wasser und schwammen die etwa 100 Meter an Land. Viele aber waren im Rumpf eingeschlossen.

Aufwendige Bergung

Der deutsche Passagier Matthias Hanke sagte in einer Dokumentation auf dem Pay-TV-Sender Sky, wie er und seine Kameraden ab dem 13. Januar zwei älteren Frauen an Bord halfen. Als sie im hüfthohen Korridor gefangen waren, platzte plötzlich die Aufzugstür neben ihnen und löste eine Unterströmung aus. Dann sind sie weg“, sagte Hank. Die beiden Freunde konnten sich retten.

Unter den Toten befanden sich viele ältere Menschen, einige Besatzungsmitglieder und ein sechsjähriges Mädchen. Einige der Toten wurden Tage nach dem Unfall von Tauchern entdeckt, das 32. und letzte Opfer bis zum Abbruch des Schiffes in Genua im August 2014. Die Concordia wurde für eine aufwendige Rettungsaktion dorthin gebracht.

Neben der Trauer rückten schnell Fragen zu Captain Shetinos Schuldgefühlen in den Fokus. Der damals 51-Jährige wurde vor allem dafür kritisiert, dass er das Schiff während der Evakuierung verlassen hatte. Nachdem Schettino mit einem Rettungsboot am Dock angekommen war, forderte ihn der Einsatzleiter der Küstenwache telefonisch auf, zurückzukommen. „Komm an Bord, verdammt noch mal!“, schrie Gregorio de Falco.

Die Aufzeichnung des Anrufs festigte das Image des Kapitäns als Großmäuler und Frauenheld einerseits und Feigling andererseits. Am Ende war Shetino der einzige, der ins Gefängnis kam. Er war im Februar 2015 im toskanischen Grosseto zu 16 Jahren Haft verurteilt worden, unter anderem wegen Totschlags und Totschlags. Die Entscheidung wurde später vom Berufungsgericht und dem italienischen Obersten Gerichtshof in Rom bestätigt.

Alpträume

Shetino verbüßt ​​jetzt viereinhalb Jahre in einem römischen Gefängnis. Sein ehemaliger Anwalt Donato Leno hat kürzlich in einem Interview gesagt, Schettino habe Albträume. Er habe die 32 Toten nicht vergessen, aber er fühle sich als Opfer, berichtete Leno.

Sein jetziger Anwalt Saverio Senese bestritt sofort, dass die Aussagen von Schettino stammten. Er hatte den Auftrag, sich lange nicht öffentlich zu äußern, und hoffte auf eine baldige Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Gegen das italienische Urteil legte er 2018 in Straßburg Berufung ein.

Shetino wurde nicht fair behandelt und es gab eine Medienkampagne. „Fare lo Schettino“ von Schettino ist heute das Motto italienischer Feigheit. Ein Gerichtssprecher sagte kürzlich auf die Frage, ob er mit einer Behandlung des Falls im Jahr 2022 rechne.



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