Ein Start-up in Sachsen hofft auf das große Geschäft mit Cannabis


Indoor-Plantage in Ebersbach: Im Januar soll erstmals geerntet werden. (Bild: Andreas Stedtler)

Indoor-Plantage in Ebersbach: Im Januar soll erstmals geerntet werden. (Bild: Andreas Stedtler)


Die Ampel-Koalition will den Stoff legalisieren. In einem alten Schlachthof bei Dresden reiben sie sich schon erwartungsvoll die Hände. Cannabispflanzen werden dort bereits legal angebaut, als Medizin. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die große Natriumdampflampe taucht den Raum in ein gelblich warmes Licht, um die Temperatur des T-Shirts zu gewährleisten: 25 Grad. Diese Pflanzen sind mit genau 780 Exemplaren nebeneinander aufgereiht, eine nach der anderen. Sie sind alle gleich grün, gleich hoch, ungefähr einen Meter. So klonen Sie. „Das ist keine Landwirtschaft“, sagte Gabriel Knotts, „das ist standardisierte Produktion.“ Es liegt ein süßer, muffiger Geruch in der Luft.

Willkommen auf der größten Indoor-Cannabisplantage Deutschlands, wo Notz (33) Produktionsleiter ist. Das Unternehmen Demecan baut in einem ehemaligen Schlachthof in Ebersbach, unweit von Dresden, Cannabispflanzen an. Natürlich ist es legal. Für medizinische Zwecke. 2017 entschied die Politik nach einem Gerichtsurteil: Deutschland erlaubt Cannabis als Arzneimittel.

Demecan ist eines von nur drei Unternehmen in Deutschland, die eine formelle Zulassung für die Herstellung von medizinischem Cannabis erhalten haben.
Demecan – was für „deutsches medizinisches Marihuana“ steht – ist eines von nur drei Unternehmen in Deutschland, deren Produktion behördlich genehmigt wurde. Wie einer der drei Gründer, Constantin von der Groeben, betonte, ist dies der einzige Unabhängige. Beide Wettbewerber sind Tochtergesellschaften kanadischer Unternehmen. Demecan beschäftigt nach Angaben von von der Groeben (37) derzeit rund 70 Mitarbeiter und hat das aufwendige Genehmigungsverfahren von knapp 120 teilnehmenden Unternehmen gewonnen. Darunter große Unternehmen. „Wir sind das einzige Startup-Unternehmen“, sagte er stolz.

Dies entspricht in gewisser Weise den Klischees von Existenzgründern. Er wurde in einem grauen Hoodie mit Firmenlogo interviewt, und seine blonden Haare fielen ihm in die Stirn. Von der Groeben nimmt derzeit viele Interviews an. Die Leute interessieren sich sehr für sein Unternehmen. Das hat auch etwas mit Politik zu tun: Die Ampel-Koalition hat beschlossen, Cannabis auf kontrollierte Weise für den Konsum freizugeben, nicht nur als Droge.

Unterstützer hoffen, dass die Legalisierung den illegalen Handel eindämmen wird. Gegner sagen: So wird Cannabis verharmlost

Befürworter hoffen, dass diese Legalisierung den illegalen Handel eindämmen wird – wie etwa die Arbeitsgemeinschaft Suchtmittel der DDR. Der Vorsitzende und Harley-Neurologe Peter Jeschke sagte kürzlich gegenüber MZ, dass illegal gehandelte Materialien oft mit synthetischen Drogen, Opiaten oder Heroin vermischt werden. Durch die zugesetzte Substanz wird der Körper schnell abhängig. Kritiker hingegen glauben nicht an die Eindämmung des Schwarzmarktes und warnen vor einer Erhöhung des Konsums – und damit der Gefahr von Folgeschäden wie psychischen Erkrankungen. Cannabis wird auf diese Weise verwässert.

Wie steht von der Groeben zu einer Legalisierung? „Wir müssen Cannabis aus der Schmuddelecke holen“, meint er. Er sieht in einer kontrollierten Freigabe eine Chance für seine Branche und ist überzeugt: Für Cannabis als Genussmittel werde es einen Markt geben, es sei schnell viel Konkurrenz zu erwarten.

Seine Firma sieht der Manager dabei im Vorteil. Schließlich haben sie im alten Schlachthof in Ebersbach die Produktionsanlagen schon aufgebaut. „Wir haben noch genügend Platz“, sagt von der Groeben. Die Anlage sei auf Erweiterung ausgelegt. In Zahlen: ein 100.000 Quadratmeter großes Grundstück. 30.000 Quadratmeter Geschossfläche in mehreren Gebäuden. Davon erst 5.000 Quadratmeter, die mit Produktionsräumen und Plantagen belegt sind. Weitere sollen Schritt für Schritt folgen. Bei Demecan sprechen sie von Blütenräumen, in denen die Pflanzen wachsen bis zur Ernte. Noch stehen sie ganz am Anfang. Im Januar soll erstmals geerntet werden. Dann werden sie die Blüten absammeln, das Endprodukt. Diese werden anschließend in einem mehrstufigen Prozess gewogen, getrocknet, verpackt.

Kittel, Haarnetz, Maske - produziert wird unter strengsten Hygiene-Bedingungen.

Und das unter strengsten Bedingungen. So folgt der Anbau der Pflanzen den Standards der Agrarindustrie, die Verarbeitung und Verpackung der Blüten Vorschriften der Pharmaproduktion. Diese Bereiche dürfen jeweils nur in spezieller Schutzkleidung betreten werden, durch eigens angelegte Schleusen. In einem Regal stapeln sich Kittel, in Kunststofffolie verpackt. Auf dem Fußboden warten Plastikclogs zum Reinschlüpfen in verschiedenen Farben, je nach dem Abschnitt im Produktionsprozess, der betreten werden soll. Und, bitte, Haarnetz und Maske nicht vergessen. Sicherheitsleute dokumentieren, wer wann wo ein- und ausgeht. Nach der Ernte werden die Blüten in sogenannten Reinräumen weiterverarbeitet, die penibel von Staub freigehalten werden. Sie sind bereits für die ersten geernteten Blüten vorbereitet. Dort darf sich die MZ deshalb nicht umschauen.

Auch die Sicherheitsvorschriften der Produktionsstätten sind sehr streng. Marihuana gilt rechtlich als Betäubungsmittel. Überall in den kahlen hohen Fluren weitläufiger Gebäude sind Kameras und kleine graue Kästen, etwa zehn mal zehn Zentimeter, zu sehen. Dies sind Schalldetektoren, und selbst das kleinste Geräusch sollte aufgezeichnet werden. Rund um die Uhr bewachen Wachleute Häuser und Gebäude, Wände, Böden und Decken bestehen aus mindestens 24 cm dickem Stahlbeton. Dies ist die Regel im Betäubungsmittelraum. Kein Zustand, der überall zu sehen ist. „Wir haben lange gesucht, bis wir etwas Passendes gefunden haben“, sagt Firmengründer Constantin von der Groeben.

4.000 Liter Wasser täglich - Cannabis-Pflanzen sind durstig.

Produktionsleiter Gabriel Notz hat nun eine weitere Tür geöffnet. Dahinter: zwei große Stahltanks und mehrere kleine Plastiktanks. Hier wird Pflanzenwasser mit Dünger vermischt und vollautomatisch gesteuert. Im Blumenraum gelangen die Pflanzen durch den Schlauch in das Steinwollbeet. Cannabis ist durstig: Aktuell brauchen sie in Ebersbach rund 4.000 Liter Wasser pro Tag.

Demecan plant, große Mengen an medizinischem Marihuana an Bundesbehörden zu liefern, die es in diesem Jahr an Drogerien verteilen werden. Das ist die vereinbarte Abnahmemenge. „Unsere Lieferungen sind viermal so hoch wie das Original“, sagte von der Groeben. Hohe Nachfrage. Demecan hat medizinisches Marihuana beispielsweise aus Australien importiert und verkauft. Von der Groeben wollte den sozialen Umgang mit Materialien erleichtern. „Cannabis ist kein Produkt aus der dunklen Welt, sondern eine Droge.“ Falsche Versprechungen sollten jedoch nicht gemacht werden: Cannabis kann Krebs nicht heilen. Aber es kann sehr gut dazu beitragen, die Lebensqualität vieler Patienten zu verbessern.

Man könnte meinen: Natürlich hat das der Produzent gesagt. Doch von der Groeben stimmte dem Arzt zu, der das Cannabispräparat verschrieb. Halleyer Neurologe Peter Jeschke beispielsweise behandelt nicht nur Patienten mit Schmerzen, sondern auch ältere Menschen mit unterschiedlichen Beschwerden, wie zum Beispiel ältere Menschen in der Pflege. Er sprach von einer guten Erfahrung.



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