Der Dollar legt zu – das ist ein Problem für Schwellenländer mit hohen Fremdwährungsschulden


Der Dollar hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. (Bild: Gary Cameron / Reuters)

Der Dollar hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. (Bild: Gary Cameron / Reuters)


Verschwörungstheoretiker schreiben die US-Währung gerne schnell ab, aber im Moment profitiert sie wegen der hohen Inflation von der Zinsphantasie. Schwierig wird es für diejenigen, die hohe Dollar-Verbindlichkeiten haben, aber nicht genug Dollar-Einnahmen.

Es mag immer wieder scheinbar gute Gründe geben, um an der Substanz und an der Zukunft des amerikanischen Dollars zu zweifeln. In den vergangenen zwölf Monaten aber war an den Finanzmärkten einmal mehr eher das Gegenteil zu beobachten.

Trotz unglaublichen Budgetdefiziten von bis zu 17 Prozent des Bruttoinlandprodukts und trotz den hohen Staatsschulden hat der Dollar wechselkursmässig gegenüber den meisten Währungen der Welt zugelegt. Gegenüber einzelnen wie etwa der türkischen Lira phasenweise um bis zu 160 Prozent, gegenüber anderen wie dem argentinischen, dem chilenischen und dem kolumbianischen Peso, dem peruanischen Sol, der schwedischen Krone, dem polnischen Zloty, dem Yen, dem Forint und dem brasilianischen Real um 9 bis 18 Prozent.

Gegenüber Euro und Franken ist er sogar gestiegen – das lässt sich relativ leicht erklären. Einerseits hat er sich im vergangenen Jahr gerade erst von einer gewissen Schwäche erholt, als die Amerikaner mit beispiellosen Maßnahmen wegen der Pandemie als erste die Währungs- und Finanzsperren geöffnet haben, um die besorgniserregende Wirtschaftskrise zu bewältigen. Doch dann zogen andere Länder nach, so dass das relative Gleichgewicht zwischen den riesigen Konjunkturmaßnahmen in der Eurozone und den Konjunkturmaßnahmen in den USA wieder ausgeglichener geworden ist.

Jetzt kommt es eindeutig den Amerikanern zugute. Angesichts der überhitzten Konjunktur und der enormen Inflation im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dürfte diese Kombination die Fed zwingen, ihre zuvor extrem expansive Geldpolitik schneller und deutlicher als ihre europäischen Pendants zu straffen. So sind beispielsweise die Renditen von US-Staatsanleihen bereits höher und damit attraktiver als Deutschland und die Schweiz. Wenn die Renditedifferenzen größer werden, werden sie für internationale Anleger zunehmend profitabel – insbesondere wenn sie gleichzeitig mit einem Anstieg des Dollars rechnen können.

Im Idealfall führt die Fed sogar eine sogenannte weiche Landung durch, bei der sich das Wirtschaftswachstum des Landes abkühlt, wodurch die Inflationsentwicklung verlangsamt und normalisiert wird, ohne eine wirtschaftliche Rezession auszulösen oder zur Rentabilität der Unternehmen des Landes Fed up zu führen. In der "besten Geschäfts- und Finanzwelt" für internationale Anleger werden US-Aktien und -Anleihen trotz hoher Bewertungen und gelegentlicher Anpassungen weiterhin gefragt sein und der US-Dollar weiter an Wert gewinnen.

Die Geschichte zeigt, dass eine "sanfte Landung" schwer zu erreichen ist, insbesondere wenn die Zentralbank zu spät handelt. Einige bemerkenswerte Erfolge sind die Strategie von Paul Volcker nach der Erholung von der Großen Rezession von 1983 bis 1984 und von 1980 bis 1992 und die Strategie von Greenspan im Jahr 1994. Beide erhöhten den Leitzins um 300 Basispunkte, was den Finanzmarkt belastete, aber keine Rezession auslöste. In beiden Fällen ist die Inflation seit Beginn der Währungskontraktion bereits gesunken.

Wenn der US-Dollar weiter an Stärke gewinnt und die US-Notenbank der Welt künftig weniger großzügige Dollar-Liquidität zur Verfügung stellt, wird dies erhebliche Auswirkungen auf Schwellenländer mit hoher Auslandsverschuldung haben. Schließlich ist der US-Dollar in den meisten Teilen der Welt die wichtigste Transaktionswährung und Hauptrefinanzierungsquelle. Die Hälfte der internationalen Kredite oder Schuldverschreibungen wird in US-Dollar abgewickelt, und auf Schwellenländer entfallen etwa 80 % aller Handelstransaktionen. Die US-Notenbank hat den direkten Transmissionsmechanismus durch die Einführung sogenannter Swap-Linien und andere Maßnahmen geschwächt, aber nicht beseitigt.

Daher wird der höhere Leitzins in den Vereinigten Staaten die Finanzierungskosten von Offshore-Dollar in die Höhe treiben und letztendlich die finanzielle Belastung der Dollar-Kreditnehmer erhöhen – was insbesondere die südamerikanischen Länder treffen wird. In verschiedenen lateinamerikanischen Ländern machen unbezahlte US-Dollar-Schulden etwa 17 % der Gesamtschulden des Landes aus, in Asien beträgt dieser Anteil etwa 3 %. In Argentinien machen USD-Schulden mehr als 50 % aus, in Kolumbien 30 % und Brasilien, Chile und Mexiko 5 bis 15 %. Wenn sich die Dollar-Refinanzierung verteuert und gleichzeitig aufgrund des sich verlangsamenden Weltwirtschaftswachstums und sinkenden Rohstoffpreisen die Einkommen der rohstoffreichen Länder stagnieren, könnten Turbulenzen nur noch eine Frage der Zeit sein.

Experten gehen davon aus, dass eine schnellere und deutlichere Zinserhöhung durch den Offenmarktausschuss der US-Notenbank als bisher erwartet den Mittelfluss aus den Schwellenländern in die USA auslösen und damit die Währungen der Schwellenländer weiter schwächen könnte. In diesem Fall werden Fremdwährungsschulden eine enorme Belastung darstellen, da sie die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Heimatmärkte bremsen.

Auf der anderen Seite glauben Optimisten, dass der US-Dollar die Straffung der Geldpolitik in den USA lange vorweggenommen hat und der Verdacht gegenüber den Schwellenländern übertrieben ist. Dort finden sich antizyklisch günstige Anlagemöglichkeiten und der Wert von Wertpapieren in Industrieländern ist hoch. Tatsächlich hat sich diese Strategie in der Vergangenheit oft ausgezahlt.



Kommentare