Das ungeliebte Stiefkind der Premier League


Zwei afrikanische Topspieler in Diensten des FC Liverpool: Mohamed Salah (links) und Sadio Mané (Bild: REUTERS)

Zwei afrikanische Topspieler in Diensten des FC Liverpool: Mohamed Salah (links) und Sadio Mané (Bild: REUTERS)


Der Afrika-Cup ist wegen der vielen Abstellungen mitten in der Saison vor allem bei englischen Klubs unbeliebt. Jürgen Klopp muss sich sogar gegen den Vorwurf der Respektlosigkeit verteidigen.

Plötzlich befand sich Jürgen Klopp in der Defensive. Auf einer Pressekonferenz im November sah sich der Trainer des FC Liverpool einer früheren Aussage gegenüber, in der er den bevorstehenden Afrika-Cup in englischer Sprache als "Miniturnier" bezeichnete. Das sei beleidigend und respektlos, sagte jetzt ein wütender Reporter, nicht nur für die spielende Nationalmannschaft und ihre Spieler und Fans, sondern für den gesamten afrikanischen Kontinent.

Das meinte er sicher nicht, und Klopp verteidigte sich: Er wollte in seinem Statement ironisch darauf hinweisen, wie angespannt die Lage bei vielen Premier-League-Klubs ist - nicht nur wegen des engen Zeitplans in England, sondern auch wegen des Afrika-Cups. wo die drei wichtigsten Spieler um die Meisterschaft kämpfen. Aber er verteufelte nicht einmal die Größe oder Bedeutungslosigkeit des Turniers, schon gar nicht den gesamten Kontinent, wobei Klopp betonte: "Das war nicht meine Absicht, aber du hast etwas getan. Ehrlich gesagt war es auch nicht cool."

An diesem Sonntag (19 Uhr Sportdigital) beginnt in Kamerun der Afrika-Cup 2022, der eigentlich im vergangenen Sommer hätte stattfinden sollen, später aber aufgrund des milden Wetters auf den 9. Januar bis 6. Februar verschoben wurde. Der Zeitpunkt sei für Liverpool eine "Katastrophe", sagte Klopp vor einem Jahr. Denn er verlor zur Saisonmitte mehrere Wochen Stammspieler: Liverpools Superstars Mohamed Salah und Sadio Mane starteten für Ägypten bzw. Senegal, Naby Keita entschied sich für Guinea. Insgesamt reisten rund 30 Premier-League-Spieler nach Kamerun, lediglich Leeds, Newcastle, Norwich und Tottenham verloren durch das Spiel keine Mitarbeiter.

Fußballfans in England können die Spiele des Africa Cup of Nations im Fernsehen verfolgen: BBC überträgt zehn Spiele, darunter zwei Viertelfinale, Halbfinale und Finale; der Pay-TV-Sender Sky Sports hat alle 52 Übertragungsrechte für das Spiel gekauft. In einer Erklärung der BBC heißt es: „Wir freuen uns, diese prestigeträchtige Veranstaltung dem britischen Publikum kostenlos anbieten zu können.“ Aber trotz der Erklärung gab es in England einige Diskussionen – wie im Fall von Klopp –, weil die Veranstaltung nicht erhielt die gleiche öffentliche Anerkennung wie andere ähnliche kontinentale Wettbewerbe.

Der frühere Arsenal- und England-Stürmer Ian Wright nannte die teilweise negative Berichterstattung im Vorfeld des Turniers und die Beschwerden von Klubs wegen des Verlusts von Spielern respektlos und in Teilen rassistisch. Viele der besten Spieler im europäischen Klubfußball kämen aus Afrika, und man müsse es anerkennen, wenn sie in ihre jeweiligen Nationalmannschaften berufen würden. „Die Spieler werden gefragt, ob sie die Berufungen in ihre Nationalmannschaften annehmen wollen“, sagte Wright: „Stellt euch vor, das wären englische Spieler, die die Three Lions repräsentieren. Könnt ihr euch den Aufruhr vorstellen?“ Auch die Bedenken mancher wegen der Covid-Situation in Kamerun, wo wenige Menschen vollständig geimpft sind, wollte Wright nicht unkommentiert lassen: „Wir haben mitten in der Pandemie die Europameisterschaft in zehn Ländern ausgetragen, und niemand hatte damit ein Problem. Aber Kamerun, ein einzelnes Land als Gastgeber, das ist ein Problem.“

Auch Patrick Vieira, Trainer von Crystal Palace, der in Senegal geboren ist und 1998 mit Frankreich Weltmeister wurde, hat sich öffentlich für mehr Anerkennung für den Afrika-Cup starkgemacht – obwohl auch einige seiner Spieler deshalb aus London abgereist sind. Er respektiere und verstehe die Leidenschaft, mit der die Profis für ihre Länder spielen, und er werde niemanden davon abhalten, zum Afrika-Cup zu reisen. „Ich glaube, der Wettbewerb sollte mehr respektiert werden“, sagte Vieira. „Er ist genauso wichtig wie die EM.“



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